#1 Die linke autonome Szene ist sich im Punkt der Gewalt uneinig von gvg 09.01.2014 23:09

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Man fängt wieder an zu debattieren, wie immer, wenn es Ausschreitungen gab. Vor allem nach den Vorfällen in den letzten Monaten, die jeden bisherigen Rahmen sprengten. Wie wieviel an Gewalt ist nötig? Gewalt gegen was und gegen wen? Ist Gewalt überhaupt nötig?

Mir ist ein Kommentar eines Users in der community der Wochenzeitung "der Freitag" aufgefallen, den ich hier gerne zur Diskussion stellen möchte:



"was in hamburg passiert ist, war so wie es passiert ist - abgesehen von schwachsinnigen angriffen auf budni- und/oder penny-märkte - notwendig. wäre es nicht zu einer solchen eskalation gekommen, wäre der law-and-order charakter der hamburger spd und ihres innensenators, sowie die selbstjustiz übende und zur rechtfertigung ihres einsatzes zu lügen greifende "schilleske" hamburger polizei nicht entlarvt worden und wir hätten die derzeitige diskussion nicht in der nun vorhandenen intensität.

darüberhinaus hat der teilweise militante charakter der demonstration bzw. die bereitschaft eines teils der demonstration sich gegen grundrechtsverletzende übergriffe der polizei(führung) auch gewaltsam zur wehr zu setzen, den regierenden in hamburg einerseits den preis für eine etwaige räumung der flora erneut vor augen geführt, als auch andererseits klar gemacht, dass es menschen in diesem land gibt, die bereit sind ihre gesundheit und unter umständen auch ihre freiheit aufs spiel zu setzen um gegen eine asoziale flüchtlings,- sozial- und wohnungsbaupolitik zeichen zu setzen.

gewalt ist nichts schönes und sie sollte nicht verherrlicht werden. auch gewalt gegen polizisten nicht. trotzdem ist es so, dass widerstand gegen staatliche institutionen - seien es abschiebebehörden oder ein senat, der asoziale wohnungsbaupolitik betreibt - sich nur im widerstand gegen die kräfte äussern kann, die diese schützen: nämlich polizeikräfte.

für jeden polizisten als einzelnen, der gegen seine überzeugung in diesen einsatz geschickt und im schlimmsten fall sogar verletzt wurde tut es mir leid. trotzdem war die vom 21.12. ausgehende eskalation der vorgenannten konflikte notwendig."

#2 RE: Die linke autonome Szene ist sich im Punkt der Gewalt uneinig von Einfachich 10.01.2014 00:03

Was ist das denn für ein wiederlicher Kommentar?
Wir leben in einer Demokratie,es ist nun mal so,das die Mehrheit regiert und die Mehrheit hat nun mal diese Parteien gewählt!

Ich finde garantiert nicht alles in Deutschland gut,auch ist die Demokratie,die wir haben,ist wirklich viel zu eingeschränkt! Nur ist es nun mal so,das die Mehrheit der Deutschen eben andere Parteien gewählt haben,als es sich diese Krawallbrüder wohl gewünscht hätten...
Es steht hier eine Minderheit,die sich einfach nicht damit abfinden will,gegen eben diese Mehrheit!
Gewalt ist niemals eine Lösung,und sie hat auch nicht gezeigt,das die Polizei sich von der SPD instrumentalisieren lassen hat!
In meinen Augen ist nur eines ans Tageslicht gekommen,wir haben ein Problem mit Extremisten,die sich der Mehrheit nicht anpassen will!
Damit meine ich nun garantiert nicht die komplette Szene,ich meine die,deren Auffassung es ist,sie könnten alle Mittel anwenden,um ihre Interessen und Meinungen durchzusetzen!

#3 RE: Die linke autonome Szene ist sich im Punkt der Gewalt uneinig von Alex 10.01.2014 00:28

Ich gestehe, dass ich die Legitimierung von Gewalt als Stilmittel von Protest absolut nicht verstehe.

Ich habe in meinem Leben eine einzige erfolgreiche Revolution erlebt und mitgemacht - die Wende in der DDR, in meiner Jugend.

Damals war allen Beteiligten klar, dass die Staatsmacht jede gewalttätige Provokation instrumentalisieren würde, um die Proteste mit viel mehr Gegengewalt niederzuschlagen. Es war klar, dass die Demonstrationen sich nur damit legimieren und die Regierung delegitimieren können, wenn sie komplett gewaltlos, aber zahlreich an Unterstützern wird. Wenn jede Eskalation unzweifelhaft von der Regierung ausgeht, aber auf keinen Fall von den Demonstranten.

Diese Demonstrationsbewegung wurde binnen sehr kurzer Zeit viel erfolgreicher, als irgend jemand Anfang oder Mitte 1989 erwartete - weil der Protest in seiner friedfertigen Form so überzeugend und anziehend war, dass sich immer mehr Bürger anschlossen und die Staatsgewalt erdrückten.

Es wurde regelmäßig von den Organisatoren und Ordnern auf den Demonstrationen davor gewarnt, dass bezahlte Provokateure versuchen würden, die Proteste mit Gewalt zu delegitimieren. Und ein einfaches Mittel dagegen empfohlen: Falls "agent provokateurs" mit Gewalttätigkeiten anfangen, sollten sich die anderen Demonstranten niederknien oder entfernen - und so diese Provokateure bloßstellen.
Hat damals funktioniert, sollte auch heute funktionieren.

Wenn von einer Demo keinerlei Gewalt ausgeht, KANN eine Polizei auch nicht mit Prügelei oder Wasserwerfern vorgehen. Oder sie hat RICHTIG schlechte Öffentlichkeit, Presse, Wahlergebnisse.

Mit gewalttätigen Krawalltouristen kommen Demonstrationen zwar in die Medien, erobern aber nicht die Herzen der Menschen, sondern verlieren diese. Damit verlieren sie die Unterstützung in der Stadt, im Viertel, man wird immer kleinere Minderheit.
So verbaut man sich selber die Mehrheitsfähigkeit, die die beste Garantie für den Erfolg in einer Demokratie ist.
Und gerade Hamburg wäre eigentlich sensibel für die Themen der Demonstration - wäre, wenn nicht...

Gewalt erzeugt Gegengewalt - und diese gegenseitige Aufrüstung hat die Staatsgewalt bislang nahezu immer gewonnen.
Mal ganz abgesehen davon, dass gegenseitige Aufrüstung und Militarisierung einer Gesellschaft diese fast immer in eine rücksichtslosere, intolerantere, politisch rechtere, Richtung verschiebt - kann so etwas im Interesse von Linken sein? Gerade Linke, die für eine revolutionäre Umwälzung des Landes streiten, sollten sich fragen lassen, ob Militanz diesen Zielen nicht diametral im Weg steht.

Oder besteht der schwarze Block kaum mehr aus politisch denkenden Menschen als vielmehr aus Krawalltouristen, die nur noch einen Anlass zur Ausübung von Gewalt suchen?


Ich habe genau eine erfolgreiche Revolution erlebt. Und diese war erfolgreich wegen ihrer radikalen Gewaltlosigkeit.
Schade, dass man in Westdeutschland so wenig von dieser erfolgreichen Revolution, der Wende in Ostdeutschland, gelernt hat.
Der legitime Protest verschwendet seine Möglichkeiten.

#4 RE: Die linke autonome Szene ist sich im Punkt der Gewalt uneinig von NachtaktiverHH 10.01.2014 09:11

Gewalt ist im Grunde ganz sicher nicht notwendig, um etwas zu bewegen. Hätten die Demonstranten viel mehr Stimmen und Gesichter und gingen hunderttausende auf die Strassen, friedlich, würde das, meiner Ansicht nach, völlig ausreichen.

Aber diese Demonstranten sind eben nur eine Minderheit, die die Politiker nicht zu bewegen vermag und da ist Gewalt wohl das Mittel sich größer und wichtiger zu machen, als es evtl. angemessen wäre in einer Demokratie.

Wenn wir also Gewalt als moralisch legitimes Mittel zulassen, sind wir gedanklich nicht weit weg von Einzeltätern die mit Gewalt ihre Vorderungen durchsetzen, erpressen.

#5 RE: Die linke autonome Szene ist sich im Punkt der Gewalt uneinig von Einfachich 10.01.2014 11:10

Alex,dein Artikel ist wirklich klasse,er nimmt diesen Chaoten komplett den Wind aus den Segeln und zeigt das Gewalt absolut nichts bringt!
NachtaktiverHH ich stimme absolut zu,Gewalt kann nicht toleriert werden!

#6 RE: Die linke autonome Szene ist sich im Punkt der Gewalt uneinig von Cris 10.01.2014 11:30

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Hallo Alex
Gerade in HH hat die Geschichte aber auch gelehrt: Die Hafenstrasse steht noch, weil die Politk einknicken musste aufgrund des massiven Widerstands. Das geschah durch evtl. fragwürdige Aktionen aber es führte zum Ziel. Die Flora steht noch, weil immer klar war, ohne Stress ist sie nicht zu nehmen. Ob diese Linie sich aufrechterhalten lässt wird die Zukunft zeigen. Wenn friedlicher Protest zum Ziel führt ist das sicher keine schlechte Sache, aber zu behaupten gewaltätiger Prozess hätte nie Erfolg gehabt ist rein sachlich unrichtig. Eine andere Geschichte dazu ist die moralische Bewertung, aber derer enthalte ich mich hier fürs erste.
Gruss Cris.

#7 RE: Die linke autonome Szene ist sich im Punkt der Gewalt uneinig von Christina 10.01.2014 11:40

Alex danke für diesen Beitrag.
Ich bin eine von denn jenigen die wenn ich wüste es bleibt friedlich auf die Strasse gehen würde, die Gewalt schreckt mich ab und deshalb nehmen mir in erster Linie diese GEWALTBEREITEN mein DEMONSTRATIONSRECHT!!! Ich war nach Fukuschima nach vielen Jahren mal wieder auf einer Anti AKW Demo dort lief auch ein schwarzer Block mit, es blieb friedlich aber ich hatte Angst es könnte jeder Zeit eskalieren. Sieht man sich die Bilder vom 21.12.2013 an sieht man nur SCHWARZ und die ganze Senarie ist da durch schon Angst einflösend egal ob Chaoten oder Polizei, die sind ja kaum auseinander zu halten. So sieht auch keine Polizei aus, die deskalierend agieren will. Auf einem Video sieht man einen älteren Mann mit Krücken der sich zwischen die Wasserwerfer und dem schwarzen Block zur Deskalation gestellt hat, sollte er dies lesen " Hut ab vor diesem Mut".

#8 RE: Die linke autonome Szene ist sich im Punkt der Gewalt uneinig von schorsch 10.01.2014 15:15

abgesehen von der Polizei hat diesem Demonstrationsteilnehmer jeder Anwesende (auch die bösen schwarzgkleideten) - mal angesehen von der Polizei... - seinen Respekt gezollt.

#9 RE: Die linke autonome Szene ist sich im Punkt der Gewalt uneinig von Alex 10.01.2014 21:22

Hallo Chris,

du hast recht, die Hafenstraße und die Rote Flora hat die radikale Linke womöglich mit ihrer Gewaltbereitschaft gehalten. Vielleicht auch noch ein paar weitere Häuser.
Aber wovon reden wir hier überhaupt? 5 Häuser, 10 Häuser, 20 Häuser, in einer Stadt von 1,8 Millionen? Pardon, aber das ist ein Klacks!

Die radikale Linke redet gerne von einem radikalen Systemwechsel des gesamten Staates.
Aber sie delegitimiert sich und verkaufte und verkauft ihre Seele an die Militanz, um läppische 5 Häuser zu halten.
Und was verliert sie damit? Jede Menge Rückhalt bei Tausenden bis Zehntausenden Bürgern in Hamburg, bei Hunderttausenden bis Millionen Bürgern in Deutschland, die ihnen helfen könnte, viel größere Freiräume zu gewinnen.
Das ist nenne ich Verrat an linker Politik zu Gunsten von Krawallen und Auslebung von Gewaltphantasien.

Es ist doch kein Wunder, dass die am stärksten wachsende Gruppe bei den Rechtsextremen die "Autonomen Nationalisten" sind. Denn die Methoden des schwarzen Blockes, Prügeln, und Randalieren im Schutz einer gemeinsamen schwarzen Uniform, passen doch viel besser zur politischen Rechten als zur politischen Linken. Ob Schwarzhemden oder Schwarzen Schar, zu dieser Seite passt solch blinde, rücksichtslose, menschenverachtende, menschenjagende Gewalt.

Ich verstehe die Akzeptanz von Gewalt und Militanz bei linken Demonstrationen einfach nicht.

#10 RE: Die linke autonome Szene ist sich im Punkt der Gewalt uneinig von Jens-Peter Gieschen 13.01.2014 17:46

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Die meisten von Euch werden die Texte zur Demo am 21.12. auf Indymedia ja sicher kennen. ich will hier mal einen aktuellen Beitrag einstellen, der zeigt, wie unterschiedlich auch die Gealt gegen Polizisten in der "Autonomen Szene" gesheen wird:

Zitat von: https://linksunten.indymedia.org/de/node...fold/all?page=1

Ziel verfehlt?
unmoderiert
Verfasst von: Tim. Verfasst am: Mo, 13.01.2014 - 16:56.
Wirklich ein guter Artikel. Konsequent analysiert und aufbereitet. Einiges davon könnte man in der Praxis durchaus versuchen, da es erfolgverprechend klingt. Allerdings, wie einige andere vor mir auch, denke ich, dass das eigentliche Ziel hier verfehlt wird. Die ganze Zeit wird davon gesprochen den Bullen stand zu halten, ja ihnen endlich auch richtig etwas entgegenzusetzen. Von Angriffen mit Molis und Steine auf den Kehlkopf ist da die Rede. Ich denke euch ist klar was das heißt! Das ist Mord!!! Und davon möchte ich mich hier ganz klar distanzieren! Eines muss jedem klar sein. Je mehr Gewalt den Bullen entgegengebracht wird, je brutaler vorgegangen wird, ja wir sie vielleicht sogar ausserdienst anfeinden, umso brutaler werden sie gegen uns vorgehen. Das ist schlicht und ergreifend eine Gewaltspirale. Und wofür??? Der Staat hat einfach einen sehr langen Atem und die entsprechenden Mittel. Aber ich dachte es geht hier darum, das System grundlegend zu verändern. Das erreichen wir doch nicht, wenn wir Bullen angreifen und ihnen das Leben zur Hölle machen. Viele haben genauso wie wir die Nase gestrichen voll von diesem System. Gerade die Streifenbeamten werden von diesem System selbst nur gefickt und alleine gelassen. Das sind aber die, die dir auch in der Not noch helfen. Das verstehe ich unter richtiger Polizeiarbeit! Die kasernierte Polizei, insbesondere die BFEn, sind dagegen oft genau wie im Artikel beschrieben. Ängstlich da unerfahren, großmäulig, arrogant, Schläger. Ich denke ein Kampf gegen die Polizei, gegen Polizeibeamte, macht auf Dauer keinen Sinn. Es muss viel mehr Aktionen gegen die Verantwortlichen selbst geben. Der einzelne Polizeibeamte führt "nur" aus. Aber um etwas zu verändern, müssen die angegangen werden, welche die Einsatzbefehle geben. Und das ist die Politik und der Polizeiführer als Umsetzer! Ich denke es hätte viel mehr Wirkung, wenn sich mal ein Politiker plötzlich 20-30 Personen gegenübersieht die mal tacheles mit ihm reden wollen. Die Personenschützer dürften kein Problem sein, da zu wenig. Für eine blutige Nase würde es allemal reichen. Da sollten wir ansetzen. Die Verantwortlichen, die Strippenzieher im Hintergrund, die lachen sich doch ins Fäustchen! Die verstecken sich hinter der Polizei und warten bis wir uns an denen abreagiert haben. Polizeifahrzeuge zu demolieren macht Spaß. Spaßiger und sinnvoller wäre es aber mal den Dienstwagen des Hamburger Innensenators anzugehen. Mal ein platter Reifen, mal Steinschlagschaden, mal ne Torte im Gesicht. Irgendwann muss der ja auch mal vom Auto in ein Gebäude laufen. Das wäre doch die Gelegenheit und weit und breit keine Polizei in Sicht. Und ich bin mir ganz sicher, dass hinterlässt bei dem einen bleibenden Eindruck. Vielleicht wird dann einiges anderst entschieden wenn er damit rechnen muss unterwegs ein "ernsthaftes" Gespräch führen zu müssen.

#11 RE: Die linke autonome Szene ist sich im Punkt der Gewalt uneinig von NachtaktiverHH 13.01.2014 19:34

Ich muss gestehen, ich sehen in diesem Kommentar wenig Unterschied in der Vorgehensweise Politik und ein System einer Demokratie ändern zu wollen.
Es wird Gewalt relativiert. Gewalt die schwer verletzt oder tötlich sein kann wird verurteilt, die blutige Nase und Sonstiges legitimiert. Evtl. mit 20 gegen Einen. Immerhin wird erwähnt, dass die Falschen angegriffen werden. Aber ich kann doch nicht Argumentieren, entweder du machst was wir wollen oder du wirst von uns auch in deinem Privaten Umdeld materiell oder körperlich geschädigt.

Ich sehe inzwischen eine große Unzufriedenheit bzgl. der Politik und Politker nicht nur im rechten und linken Umfeld. Und genau da sollte man ansetzen, wenn man ein ganzes politisches System ändern will. Breite Masse für sich zu gewinnen. Andere versuchen es über einen gewaltfreien Weg in dem sie Parteien gründen die "alles" besser machen wollen. Seien es die Piraten oder die AfD.

Mit Gewalt kriegt man aber die Massen nicht auf seine Seite, das stösst den Großteil wohl eher ab. Auch den Weg der Diskreditierung der Gegner halte ich nicht für langfristig erfolgreich. Ich denke wenn man die Politik verändern will muss man zuerst die Gesellschaft ändern, und das sind die Bürger und Wähler, und das mit gewaltfreien Argumenten.
Oder soll die Demokratie abgeschaft werden, die Politik, Wahlen oder gar Gesetze und die Polizei? Und ist der Wunsch also eine Gesellschaft zu etablieren in der jeder seine Ansichten und Ziele mit Gewalt durchsetzen kann. Eine Welt in der der Stärkere regiert?

In so einer Gesellschaft würde ich nicht leben wollen, ganz ehrlich.

Ich will hier aber noch mal klarstellen, dass ich absolut unzufrieden bin mit der Art wie Politik in unserem Land betrieben wird. Total Bürgerfern.

#12 RE: Die linke autonome Szene ist sich im Punkt der Gewalt uneinig von Phil S. 14.01.2014 11:55

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Herr Gieschen - sehen Sie in diesem Beitrag wirklich einen riesigen Fortschritt? Ich kann ehrlich gesagt nur wenig Fortschritt erkennen...oder ist es Ihrer Meinung nach ein Fortschritt die Gewalt gegen Polizisten mit einem Aufruf zur Gewalt gegen mehrheitlich gewählte Politiker zu ersetzen? Politiker gehören sicherlich auch nicht zu meinen beliebtesten Menschen auf diesem Planeten und Politiker von den Grünen oder den Linken schon gar nicht - und nebenbei erwähnt: Anwälte genießen bei mir auch eher weniger Sympathie - aber deshalb kommt es mir nicht in den Sinn diese zu überfallen oder dazu aufzurufen, Gewalt gegen diese auszuüben.

Genauso wenig kann ich dem Aufruf zur mutwilligen Beschädigung und Zerstörung abgewinnen und verstehe nicht, was damit bezweckt werden soll...man würde damit ja sowieso nicht den Politker treffen, weil der sich einfach auf Steuerzahlerkosten einen neuen Dienstwagen bestellt...! Also schadet man mit solchen Attacken nur der Allgemeinheit, weil die es bezahlen muss bzw. - und ich als Teil dieser Allgemeinheit habe kein Bock dadrauf, dass meine gezahlten Steuern für so eine Sch... verwendet werden müssen. Natürlich finde ich auch andere Verwendungen von Steuergeldern nicht gut - aber so ist es halt...und wird sich auch nie ändern...

#13 RE: Die linke autonome Szene ist sich im Punkt der Gewalt uneinig von Jens-Peter Gieschen 14.01.2014 22:56

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Ich habe den Text ja hier nicht reingestellt, weil ich seine Zielsetzung teile. Aber es wurde hier über die Militanzdebatte diskutiert. Und dabei tauchte auch in den Medien immer wieder dieser unsägliche Text aus dem Indymedia-Forum auf. Auch dort hat sich daran eine Diskussion entzündet und der von mir eingestellte Beitrag war nicht der einzige, der die direkte Gewalt gegen Menschen ablehnt. Ich lese in dem Text übrigens auch keinen Aufruf zu körperlicher Gewalt gegen Politiker. Es sei denn ein Torten-Attentat wird schon so eingeordnet. :-) Bei der Frage der Gewalt gegen Sachen kommen wir aufbein weites Feld. Gleise untergraben, wenn ein Castor rollt, Bauzäune ansägen, wenn irgendein ein Mist dahingebaut werden soll, Straßen blockieren um Naziaufmärsdhe zu verhindern. Mir fallen da doch so ein paar Dinge ein, wo ich nicht unbedingt "Nein" sagen würde.

#14 RE: Die linke autonome Szene ist sich im Punkt der Gewalt uneinig von NachtaktiverHH 15.01.2014 09:02

Jens-Peter Gieschen,

sie sehen in diesem Ausschnitt keine Aufforderung zu Gewalt?

" Ich denke es hätte viel mehr Wirkung, wenn sich mal ein Politiker plötzlich 20-30 Personen gegenübersieht die mal tacheles mit ihm reden wollen. Die Personenschützer dürften kein Problem sein, da zu wenig. Für eine blutige Nase würde es allemal reichen. Da sollten wir ansetzen."

Oder interpretiere ich etwas falsch?

Vom Aufruf zu Sachbeschädigung ganz zu schweigen.

#15 RE: Die linke autonome Szene ist sich im Punkt der Gewalt uneinig von Phil S. 15.01.2014 10:17

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Herr Gieschen,

bei einigen Äußerungen frage ich mich in der Tat, ob wir es hier wirklich mit einem Anwalt zu tun habe oder mit einem "gemilderten Linksautonomen", für den Gewalt gegen Teile der Mitmenschen und Zerstörung von öffentlichem und privatem Eigentum legitim ist...?! Egal ob links, rechts, mitte, unten, oben - für mich ist weder Gewalt (egal gegen wen) noch Zerstörung/Beschädigung ein adäquates Mittel von Protest oder Meinungsäußerung.

Und bei so manchen Äußerungen stellt sich mir die Frage, ob "die Linken" (ich pauschaliere jetzt mal) eigentlich der Meinung sind, dass die Grundrechte und Gesetze nur für sie Gültigkeit haben...?!? Es wird sich darüber beschwert, dass Demonstrationen angeblich verhindert werden und somit die Demonstrationsfreiheit beschnitten wird und dann lese ich "Straßen blockieren um Naziaufmärsche" zu verhindern...!? Lasst sie doch ihre blöden Märsche machen - mit den Aktionen gegen diese Märsche bekommen diese viel mehr Aufsehen, als wenn man sie einfach ignorieren würde...!

Und wahrscheinlich bin ich jetzt auch wieder ein Rechter oder ein Nazi, weil ich mich gerade kritisch gegen die "linke Einstellung" äußere - das ist auch typisch links: bei vielen scheint es nur "links" als einzige richtige Einstellung zu geben - alles andere ist sofort rechts oder rassistisch...! Das ist zumindest mein Eindruck, der aus diversen Kommentaren auf FB entsteht...

Und um noch einmal ein Beispiel zu bringen: für mich sind Anwälte die größten Abzocker - aber deswegen vergehe ich mich nicht an ihrem Eigentum...!

Gruß, PS

#16 RE: Die linke autonome Szene ist sich im Punkt der Gewalt uneinig von Jens-Peter Gieschen 15.01.2014 10:44

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@ Phil, nein, Sie sind kein "Rechter", nur weil sie eine andere Meinung vertreten. Da würde ich es mit einer bekannten deutschen Revolutionärin halten: "Freiheit ist auch immer die Freiheit der Andersdenkenden." Aber mit Ihrer Meinung zu den Anwälten verlassen wir hier wohl das Thema des Threads. :-)

Ich glaube auch nicht, dass die "militante Linke" für sich in Anspruch nimmt, über dem Gesetz zu stehen. Sie lehnt wohl eher den gesamten Staat ab und ist sich der strafrechtlichen Konsequensen des Handelns durchaus bewusst. Sie spricht dem Staat aber die Legitimation ab, überhaupt strafen zu dürfen.

#17 RE: Die linke autonome Szene ist sich im Punkt der Gewalt uneinig von Jens-Peter Gieschen 15.01.2014 10:50

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@ NachtaktiverHH - die "blutige Nase" habe ich jetzt in dem Kontext eher bildlich verstanden. Ansonsten hättest Du recht.

Sachbeschädigung ist eine völlig andere Debatte. dazu hatte ich ja geschrieben, dass ich das sehr differenziert sehen würde. Und wenn man es strafrechtlich genau nimmt, wäre auch die Blockade einer Strasse schon ein Verstoß gegen die Gesetze.

#18 RE: Die linke autonome Szene ist sich im Punkt der Gewalt uneinig von NachtaktiverHH 15.01.2014 11:12

Um das zu klären, müsste man den Autoren fragen. Zunächst einmal les ich aber möglichst was an Wörtern da steht.

Gerade in dem Kontext des Themas sollte man auf sorgfältige Formulierung achten. Könnte evtl. strafrechtlich relevant sein, oder?

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